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Dissertationsprojekt

Diagnostik bei Gehörlosen Menschen mit Demenz: Entwicklung eines computer-basierten Screeningverfahrens in Deutscher Gebärdensprache

In Deutschland leben derzeit ungefähr 1,7 Millionen Menschen mit einer Demenzdiagnose. Um einem Verdacht auf eine Demenz nachzugehen, wird durch sensible und spezifische neuropsychologische Screeningtests (sogenannte Kurztests), wie u.a. der MMST, DemTect und ACE-R, die kognitive Leistung getestet. Verhärtet sich der Verdacht auf eine Demenz, können stufenweise weitere Untersuchungen, wie z.B. MRT Scans und Bluttests vorgenommen werden.

Beim Einsatz der neuropsychologischen Screeningtests ist eine nicht unwesentliche Komponente die Sprache, in der der Test instruiert wird und in der Zutestende antworten. Ebenfalls relevant zeigte sich bereits, dass Tests kulturspezifisch funktionieren. Das Verständnis und die Verwendung von Abbildungen, Bezeichnungen und Redewendungen variiert zwischen Sprachgemeinschaften und Kulturen. Somit bedarf es für eine Demenzdiagnostik valider Testinstrumente, die neben den standardisierten neuropsychologischen Testelementen auch die Sprache und Kultur der Zutestenden berücksichtigen.  

Die Situation Gehörloser Menschen im Alter, deren Sprache die Deutsche Gebärdensprache ist und die sich als Teil einer kulturellen Minorität verstehen, ist durch kulturelle und kommunikative Barrieren bestimmt. Der Zugang zu Informationen, Beratungs- und Versorgungsangeboten ist nur unzureichend gewährleistet. Außerdem gibt es derzeit in Deutschland keine Testinstrumente in Gebärdensprache, um z.B. eine Demenz zu erkennen. Somit werden Gehörlose mit Testinstrumenten getestet, die für hörende, deutsch sprechende Menschen entwickelt bzw. validiert wurden. Diese Testinstrumente produzieren jedoch weder reliable noch valide Testergebnisse für Gehörlose Menschen, wodurch die Prävalenz einer Demenz in dieser Gruppe unbekannt ist.

Es braucht daher eine Demenzdiagnostik in Deutscher Gebärdensprache, um Fehldiagnosen zu vermeiden und die Versorgung Gehörloser Menschen im Alter zu verbessern.

Frau Stockleben nimmt sich im Rahmen ihrer Dissertation dieser Forschungslücke an und führt eine kulturelle Testadaption des für Gehörlose Menschen in Großbritannien entwickelten BSL-Cognitive Screening Tests in die Deutsche Gebärdensprache durch. Darüber hinaus wird eine Form des digital distribuierten Einsatzes des Tests konzeptioniert. 

Kurzbiografie

Lisa Stockleben, M.Sc., studierte Gebärdensprachen, Afrikanistik und Psychologie an der Universität Wien und an der Universität Hamburg. Den Master in Language Sciences (with specialisation in Sign Language and Deaf Studies) erlangte sie 2017 am University College London. In ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich mit Veränderungen der Sprache von Menschen mit einer frontotemporalen Demenz.

Seit 2017 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Pädagogik und Rehabilitation hörgeschädigter Menschen an der Universität zu Köln und seit Februar 2019 Doktorandin im NRW Forschungskolleg GROW.